Basels Eigenart

Ziemlich unterhaltsam ist der Schlagabtausch zwischen der BaZ und jenen, die Basel als lobenswerten Spezialfall preisen. Als Ort, wo man sich auch als Bürgerliche nicht von kläffenden Chefredaktoren (Leitartikel vom 27. August) vorschreiben lassen will, wie ein Wahlkampf zu gestalten sei. Als Trutzburg, wo Anstand und gegenseitiger Respekt noch hochgehalten werden. Als Stadt, wo sich alle entweder im Bach oder im Fussball-Tempel bunt durchmischen und deshalb nicht einfach die gleichen Regeln gelten wie andernorts (Gastbeitrag von Ch. Eymann vom 30.8.). Sehr spannend, dass diesem Text des abtretenden Regierungsrates Eymann nochmal jemand entgegen halten durfte oder musste – und die Eigenart des „homo basiliensis“, wie sie Eymann rühmt, in Frage stellen (Beitrag von Dominik Heitz, 12.9.).

Mein Berner Dialekt verrät, dass ich nicht Ursprungs-Baslerin bin. Trotzdem habe ich vor fast 15 Jahren diese Stadt als mein Zuhause gewählt und investiere viel meiner Zeit, meine Wahlheimat sogar noch lebenswerter zu machen, als sie es schon ist. Weil ich Basel liebe. Weil ich hier meinen Lebensmittelpunkt habe und behalten will.

Wer hat jetzt Recht? Christoph Eymann mit seiner Lobrede auf „die Baslerinnen und Basler“ – oder Dominik Heitz, der in diesem Lokalpatriotismus hauptsächlich Chauvinismus erkennt?

Als Wahlbaslerin weiss ich, dass Basel und seine Menschen sehr wohl eine Eigenart haben, die das Leben am Rheinknie besonders attraktiv machen. Das geht auch, wenn nicht ausnahmslos alle regelmässig im Stadion sitzen oder auf dem Schwimmsack den Rhein hinunter gondeln. Ich erkenne in Eymanns Schilderung also durchaus das Basel, das ich nie mehr verlassen will.

Trotzdem bleibt für mich beim Lesen dieser Texte eine grosse Irritation zurück: Wieso straft Eymanns LDP (und mit ihr die FDP und die CVP) die von ihrem Regierungsrat so liebevoll gepriesenen Vorzüge Basels selber Lügen? Wie können diese drei bürgerlichen Parteien mit jener Partei, die auf ihre geschmacklosen Plakate „Paris. Würzburg. Nizza. …Basel?“ schreibt, zusammen gehen? Ich kann nur hoffen, dass sich zumindest die Wählenden weiterhin klar von einer dermassen stillosen Politik abwenden – und dann auch die Parteispitzen irgendwann wieder zur Vernunft kommen.