In ihrer Kolumne vom 7.12. spuckt Tamara Wernli Gift und Galle, weil sich Mütter ihrer Ansicht nach zu wichtig nehmen. Um Himmels Willen, beruhigen Sie sich, Frau Wernli! Unsympathisches, wichtigtuerisches Verhalten von Müttern kommt sicher vor – schätzungsweise genau so häufig wie andere unsympathische Verhaltensweisen (z.B. das Nicht-Anhalten am Zebrastreifen oder das Vordrängeln beim Anstehen an der Rolltreppe im Bahnhof). Alle Mütter deswegen kollektiv zu beschimpfen und des Jammerns zu bezichtigen ist jedoch total übertrieben. Und was mich daran wirklich stört: Traurigerweise wird genau so – und ausgerechnet durch eine Frau – einmal mehr die Gleichstellung behindert. Weil genau jenen jungen Müttern, die keine Hindernisse heraufbeschwören wollen sondern einfach mehrere Rollen wahrnehmen, vorgeworfen wird, sie übertreiben, sie jammern, sie meisterten die grosse Herausforderung halt nicht. Genau das tut Tamara Wernli in ihrem Text. Dass sie dabei auch vor deplatzierten Vergleichen (Buschis werden mit Haustieren und Behinderungen verglichen) einmal mehr nicht zurückschreckt, überrascht mich nicht, hatte sie doch früher schon mal öffentliches Urinieren mit Stillen in der Öffentlichkeit gleichgesetzt.

Das Problem war keines! Das 2 Monate alte Buschi, das muxmäuschenstill schlafend in der Tragehilfe war und von niemandem bemerkt wurde, war kein Problem. Es störte niemanden, wurde nicht einmal bemerkt – und so sollte es auch kein Hinderungsgrund für seine Mutter sein, ihre Stimme per Knopfdruck abzugeben. Daraus wurde künstlich ein Problem gemacht. Das ist das Problem. Nicht die Haltung der jungen Mutter. Nicht der „Fortpflanzungsentscheid“, wie es Frau Wernli liebevoll nennt, und die daraus erwachsenden Pflichten sind das Problem – sondern das Heraufbeschwören eines Problems, das keines ist. Und dass dieses dann wiederum kollektiv einer Menschengruppe vorgeworfen wird, die kein Problem verursacht hat, DAS ist Hochmut – und das ist das wirkliche Problem.